Aktuelles

ELGA - Fluch oder Segen?

Ordination Dr. Siegfried Wess, St. Geogen ob Judenburg

Die elektronische Gesundheitsakte  kurz ELGA ,  ein Millionenprojekt, soll  nach Wunsch des Gesundheitsministers und der Sozialversicherungen sowie der Lobbyisten der IT Industrie rasch eingeführt werden. ELGA  ein Molloch an medizinischen Daten von der Geburt bis zur Bahre dient primär der Steuerung der Gesundheitspolitik und führt zu einem gläsernen Patienten und einem überwachten kontrollierten Arzt. Ein vertrauliches verschwiegenes Arzt-Patientenverhältnis ist hier nicht mehr gewährleistet. Schon jetzt verbringe ich mehr als die Hälfte meiner Arbeitszeit mit Dokumentation und PC  Datenfütterung. ELGA aber bedeutet bis zu 80% dem Götzen unserer Zeit dem PC zu widmen. Ich habe aber studiert um Menschen zu helfen, manche vielleicht sogar zu heilen. Natürlich bedienen wir uns alle der elektronischen Hilfsmitteln um unsere Arbeit zu optimieren jedoch nicht um Daten ihrer selbst willen zu sammeln. Anamnese und Untersuchung sollen zu einer schlüssigen Diagnose mit nachfolgender Behandlung und Linderung oder Heilung führen – ELGA- ein  unübersehbarer Datensalat stellt keine Erleichterung sondern eine massive Behinderung der ärztlichen Tätigkeit zum Wohle der Patienten dar.

ELGA wurde im größten verstaatlichten Gesundheitssystem Europas 2002 in England eingeführt und wurde im September 2011 für gescheitert erklärt und abgeschafft. Gründe:
1. Keinerlei Nutzen für Patienten und Ärzte in der Behandlung
2. fehlede Akzeptanz beiÄrzten und Patienten
3. Datenschutzprobleme- das Projekt erhielt den Big Brother Award!
4. aus 2,3 Milliarden Pfund für das Projekt wurden 20 Milliarden Pfund.

ELGA in Deutschland 2006 gestartet 2011 aus denselben Gründen eingestellt. Übrigens wenn ein Freak seine eigene absolut sichere Elga haben will – um nicht einmal 5 Euro gibt es einen USB –Stick- und es entscheidet der Patient in Eigenverantwortung wem er seine Daten anvertraut. Die derzeit veranschlagten 130 Millionen Euro für ELGA in Österreich(Kostenüberschreitung in England 700-800%!) kann man sich getrost ersparen und das Geld sinnvoller Weise in eine derzeit fehlende jugendpsychiatrische Versorgung oder in die Lehrpraxisausbildung (zukünftiger Landärztemangel) in Gruppenpraxen oder für die Einhaltung von Arbeitszeit-Höchstgrenzen(wer möchte mit einem Piloten der bereits 24h fliegt mitfliegen?) in unseren Spitälern investieren.

In Zeiten von Sparpaketen  ist diese ELGA mehr als entbehrlich. ELGA  in dieser Form nützt weder dem Patienten noch dem Arzt. Ich hoffe im Jahr 2012 nicht weitere unsinnige bürokratische Aufgaben aufgebürdet zu bekommen, sondern die Zeit mit diagnostischen und therapeutischen Fragestellungen für ihre Gesundheit nützen zu können.

Ihr MR Dr. Siegfried Wess